
Projekt Seeviertel Gmunden
Neben den touristischen, wirtschaftlichen und rechtlichen Fragen geht es beim Seeviertel auch um die großflächige Bebauung und Versiegelung von rund 21.000 Quadratmetern.
Boden ist nicht einfach nur eine Fläche, auf die man etwas draufstellt. Unversiegelter Boden kann Wasser aufnehmen und speichern, Niederschläge versickern lassen, Kohlenstoff binden und zur Abkühlung beitragen. Gemeinsam mit Bäumen und Grünflächen wird er damit gerade angesichts zunehmender Hitze und Trockenheit immer wichtiger. Der aktuelle WWF-Bodenreport unterstreicht diese Funktionen und fordert deutlich mehr Bodenschutz und Entsiegelung.
Warum ist das auch beim Seeviertel wichtig?
Wir haben erst in diesem Sommer erlebt, was extreme Hitze und Trockenheit bedeuten können. Auch in Gmunden waren die Auswirkungen unmittelbar zu spüren. Deshalb sollte heute jeder Quadratmeter Boden, der für Wasseraufnahme, Abkühlung und Grün erhalten werden kann, besonders wertvoll sein.
Die Klimastrategie von Gmunden fordert ausdrücklich, die Bodenversiegelung einzudämmen und Park- und Verkehrsflächen möglichst zu entsiegeln.
Die entscheidende Frage kann daher nicht allein lauten: Wie viel wirtschaftlichen Nutzen bringt das Seeviertel? Wir sollten genauso fragen: Was brauchen wir in zehn oder zwanzig Jahren, wenn Hitze und Trockenheit weiter zunehmen?
Brauchen wir an diesem besonderen Ort weitere hochpreisige Wohnungen, die zu einem großen Teil nicht als Hauptwohnsitze genutzt werden können? Oder brauchen wir dort mehr Grün, mehr Bäume, mehr Schatten, mehr unversiegelten Boden und mehr öffentlichen Raum für Naherholung?
Denn es sind gerade die Natur, die Landschaft und der See, die Gmunden so attraktiv machen und nicht ein weiteres verbautes Areal für überwiegend nicht dauerhaft bewohnte Wohnungen.
Diese Frage sollte bei der Entscheidung über das Seeviertel endlich denselben Stellenwert bekommen wie die wirtschaftlichen Interessen.
Das Projekt Seeviertel auf einem Blick

Hotel aktuell 110 Zimmer und rund 90 Wohnungen
Standort: Seebahnhofareal Traunseeufer| Investition 170 Mio. | 21.000m²
Raumordnungsvertrag und Baurechtsvertrag im September 2021
keine UVP erforderlich
2026: Änderungswünsche der Investoren: 75% Zweitwohnsitze
Gemeinderat: Grundsatzbeschluss zu Vertragsänderungen am 6.7.2026
Nächster Termin: Gemeinderatsitzung am 01.10.2026
Projektgeschichte – Verträge – Änderungswünsch
Ökologische Bedeutung des Projekts für Klima, Boden und See
Projektgeschichte – Verträge – Änderungswünsche
2021: Verträge mit Soravia: Hotel + Wohnungen + Tiefgarage
Im September 2021 werden der Raumordnungsvertrag und der Baurechtsvertrag für das Seeviertel abgeschlossen.
Ursprüngliche Zielrichtung: Ein neues Stadtquartier mit Hotel, Wohnungen, Gewerbe und öffentlichen Freiräumen.
Die Wohnbauliegenschaften wurden von der Projektseite erworben. Für den Hotelgrund wurde mit der Stadt Gmunden ein Baurecht vereinbart.
Die damalige Projektkommunikation stellte das Seeviertel als gemischtes, nachhaltiges Stadtquartier dar.
Soravia hob außerdem ökologische Aspekte wie Grünräume, erneuerbare Energien und eine möglichst geringe Bodenversiegelung hervor.
Ein wesentlicher Punkt: 75% Hauptwohnsitze.
2024: Anleihe über 10 Mio. € Projekt wird kapitalmarktfinanziert
Der Prospekt dokumentiert unter anderem:
- die Projektgesellschaft,
- die Beteiligungsstruktur,
- die drei Teilbereiche Hotel, Wohnungen und Tiefgarage,
- den Raumordnungsvertrag,
- den Baurechtsvertrag.
Da die Verträge nicht öffentlich sind, dient das Anleiheprospekt als Quelle
Der Prospekt bezeichnet die Wohnbauliegenschaft als im Eigentum der Projektseite erworben und das Hotel als Vorhaben auf der Baurechtsliegenschaft der Stadt.
2025: Keine UVP erforderlich, BVwG bestätigt die Entscheidung
Im März 2025 wurde festgestellt, dass für das Seeviertel keine Umweltverträglichkeitsprüfung nach dem UVP-G 2000 durchzuführen ist. Die dagegen erhobene Beschwerde wurde vom Bundesverwaltungsgericht abgewiesen.
Aber: Das Gericht stellte zugleich fest:
- Das Projekt liegt unmittelbar am Traunseeufer
- Teile liegen über dem Gewässerboden
- Das Projekt liegt innerhalb des 500m Seeuferschutzbereichs
Das wasserwirtschaftliche Planungsorgan bewertete den ökologischen Zustand des Traunsees als „mäßig“ und wies auf mögliche weitere Verschlechterungen durch Seeeinbauten hin.
Die Frage, ob eine UVP erforderlich ist, ist eine rechtliche Verfahrensfrage.
Boden, Wasser, Klima und Uferökologie bleiben trotzdem wichtige politische und fachliche Fragen.
2026: Wendepunkt – Investoren verlangen Änderungen
Die Investoren wollen die Rahmenbedingungen ändern. Wesentlichste Veränderung betrifft die Wohnungen.
Ursprünglich: 75 % Hauptwohnsitze
Jetzt: Nur mehr 25 % müssen als Erstwohnsitze angeboten werden.
Damit können bis zu 75 % der Wohnungen als Zweitwohnsitze bzw. für andere Formen nicht dauerhaften Wohnens genutzt werden.
Des weiteren planen die Investoren 40 Motorbootgaragen zu errichten.
Die zentrale Veränderung: Aus einem Quartier mit hohem Anteil an Hauptwohnsitzen wird ein Projekt, bei dem bis zu drei Viertel der Wohnungen keine Hauptwohnsitze sein müssen.
6. Juli 2026: Der Gemeinderat stimmt grundsätzlich für Vertragsänderungen
Aus dem Protokoll der Gemeideratsitzung Punkt 20:
„Es wurde mehrheitlich beschlossen, vorbehaltlich einer Vereinbarkeit mit dem Beihilfeverbot des 107 AEUV, die grundsätzliche Zustimmung zu den im Amtsvortrag angeführten Anpassungen des Raumordnungsvertrages und des Baurechtsvertrages zu erteilen und den Ausschuss für Liegenschafts- und Rechtsangelegenheiten mit der Prüfung eines auf dieser Grundlage zu erstellenden Vertragsentwurfes zu beauftragen. (15 Gegenstimmen: 7 x GRÜNE, 5 x SPÖ, 3 x NEOS; 1 x Stimmenthaltung: 1 x NEOS; 1 x befangen: 1 x ÖVP)“
1. Oktober 2026: Nächste Gemeinderatssitzung
Welche Vertragsbedingungen gelten künftig?
Im Zentrum stehen insbesondere die gewünschten Änderungen der bisherigen Vereinbarungen.
Damit stellt sich für den Gemeinderat die Frage: Soll die Stadt den Wünschen der Investoren entgegenkommen – oder an den ursprünglichen Vereinbarungen festhalten?
Ökologische Bedeutung des Großprojekts für Klima, Boden und See
Rund 21.000 m² werden Großteils versiegelt
Das Areal wird zwar heute zu einem Teil als Schotterparkplatz genutzt. Aber auch eine bereits stark beanspruchte Fläche kann ökologisch aufgewertet werden.
Zum Beispiel durch: Bäume, Grünflächen, Regenwasserrückhalt, Entsiegelung, Verschattung, weniger sommerliche Überhitzung.
Die entscheidende Frage lautet deshalb: Was könnte diese Fläche in einer heißeren und trockeneren Zukunft leisten?
Längere Trockenperioden und Starkregenereignisse können einander sehr schnell abwechseln. Das bedeutet, Wasser muss möglichst lange dort gehalten werden, wo es fällt. Entsiegelung wird zur Klimaanpassungsmaßnahme.
Der Traunsee – Ein sensibler Lebensraum
Das Projekt liegt unmittelbar am Traunsee. Das Bundesverwaltungsgericht hält fest:
- unmittelbarer Uferbereich
- teilweise Bereich über dem Gewässerboden
- 500-m-Seeuferschutzbereich
Das wasserwirtschaftliche Planungsorgan verwies außerdem auf den nur mäßigen ökologischen Zustand des Traunsees und mögliche weitere Verschlechterungen.
Deshalb braucht es Antworten:
- Wie verändert sich der Wasserhaushalt?
- Wie wird Regenwasser zurückgehalten?
- Welche Auswirkungen haben die Uferumbauten?
- Welche zusätzliche Nutzung des Sees entsteht?
- Wie wird die Ökologie des Traunsees geschützt?
40 Motorbootgaragen
Zu den diskutierten Änderungen gehören auch Motorbootgaragen bzw. eine Marina.
Aus Sicht des Forums muss transparent geprüft werden, welche Folgen damit verbunden sind:
- Motorbootverkehr
- Lärm
- Ufernutzung
- Wasserqualität
- Tierwelt
- Erholungsraum
Der Traunsee ist kein beliebig belastbarer Freizeitraum.
Zweitwohnsitze – Bodenverbrauch für welchen Zweck?
Wenn künftig bis zu 75 % der Wohnungen als Zweitwohnsitze genutzt werden können, stellt sich eine grundsätzliche Frage:
Wollen wir wertvollen Boden am Traunsee vor allem für ganzjähriges Wohnen verwenden oder in erheblichem Umfang für nur zeitweise genutzte Wohnungen?
Der ökologische Eingriff entsteht unabhängig davon, ob eine Wohnung das ganze Jahr oder nur wenige Wochen genutzt wird.
Bauen verursacht CO₂
Bei einem Projekt dieser Größenordnung entstehen Emissionen bereits vor der ersten Nutzung:
Zement, Beton, Stahl, Aushub, Transporte, Schwerverkehr, Baustellenbetrieb
Eine seriöse Klimabilanz darf deshalb nicht erst beim späteren Energieverbrauch der Gebäude beginnen.
Mehr Natur in der Stadt
Die europäische Entwicklung geht in Richtung Renaturierung.
Die EU-Nature-Restoration-Verordnung verfolgt für urbane Ökosysteme das Ziel, bis 2030 einen Nettoverlust an städtischen Grünflächen und Baumüberschirmung zu verhindern.
Danach soll deren Gesamtfläche zunehmen.
Die Ziele stehen ausdrücklich auch im Zusammenhang mit Klimaanpassung und der Widerstandsfähigkeit von Städten gegenüber Hitze, Dürre und Hochwasser.
Die Frage für Gmunden lautet:
Wie können neue Bauprojekte so gestaltet werden, dass sie diese Entwicklung unterstützen, statt ihr entgegenzulaufen?
Wem gehört der Grund?
Die Eigentumsverhältnisse:
Hotelgrund: Eigentümerin ist die Stadt Gmunden; Baurecht für Soravia
Wohnbaugrund: Eigentümerin: Projektseite / Soravia-Struktur
Das bedeutet, die Stadt kann nicht einfach über das gesamte Areal verfügen. Wenn die Stadt Vertragsänderungen ablehnt und der Investor das Projekt daraufhin nicht realisiert, entsteht deshalb nicht automatisch eine öffentliche Grünfläche.
Das Dilemma: Festhalten an den ursprünglichen Verträgen kann bedeuten, dass Soravia das Projekt nicht realisiert. Zustimmung zu den Änderungswünschen kann dagegen zusätzliche Belastungen und eine veränderte Nutzung des Areals ermöglichen.
Es braucht eine sorgfältige Abwägung und Transparenz!
Appell an die Gemeinde
Das Forum für Klimaschutz in Gmunden ist nicht grundsätzlich gegen ein Hotel. Wir stellen aber die Frage, ob ein Hotel zwingend mit allen derzeit diskutierten Änderungen verbunden sein muss.
Ein diesbezügliches Schreiben ergeht noch vor der Sitzung am 1. Oktober 2026 an die Gemeinde.
Für manche ist es Brachland – Für andere ein Stück Natur mitten in der Stadt.
Fotos von C. Auer

